Der Fall der 17-jährigen Savannah Dietrich aus Kentucky sorgt derzeit für große Aufregung in den USA. Da die Schülerin mit dem Prozessverlauf unzufrieden war, postete sie kurzerhand auf Facebook und Twitter die Namen der beiden Burschen, die sich sexuell an ihr vergingen. Damit hat sie gegen das Gesetz verstoßen und ihr drohte eine Haftstrafe von 180 Tagen und 500 Dollar Bußgeld. Aber nur kurz, denn die Internetgemeinde hatte etwas dagegen.

Im August letzten Jahres war Savannah Dietrich auf einer Party eingeladen und trank dort über den Durst. Sie verlor das Bewußtsein und zwei Mitschüler, die nicht namentlich genannt werden dürfen, zückten sofort ihr Handy. Allerdings nicht um den Notruf zu alarmieren, denn die beiden Pubertierenden hatten einen ganz anderen Plan. Die Jungs aus gutem Hause und einer aussichtsreichen Karriere als Lacrosse-Spieler mit der Chance auf ein Sport-Stipendium entkleideten die wehrlose junge Frau und nahmen Fotos davon auf, wie sie sich an ihr sexuell vergnügten. Anschließend zeigten sie ihren Freunden ihre „Eroberung“ und teilten teilweise auf sozialen Netzwerken die eindeutigen Bilder von der Tat.

Unschuldsvermutung

Der gelernte Österreicher weiß, dass auch in dieser pikanten Angelegenheit die Unschuldsvermutung gilt, die mittlerweile oft auch scherzhalber zur Unmutsverschuldung umgedeutet wird.
Der Haken daran: Die beiden Jugendlichen lieferten den Beweis für ihre Schuld durch das Dokumentieren des Vorfalls. Auf der einen Seite ein Glücksfall für Savannah Dietrich, die dadurch den entwürdigenden Untersuchungen nach sexuellen Übergriffen entging, aber auf der anderen Seite die Verteidigungslinie der hochbezahlten Anwälte ihrer Peiniger nicht nachvollziehen konnte. So beschloss die High-School-Schülerin die Sache selbst in die Hand zu nehmen und mit den Worten „Ich werde niemanden unterstützen, der mein Leben zur Hölle gemacht hat“ die Namen der notgeilen Jungs publik zu machen. Da prinzipiell Vergewaltigungsfälle unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehandelt werden und es nicht gestattet ist über den aktuellen Stand des Verfahrens zu berichten, drohte Savannah die oben genannte Strafandrohung. Ihr nächster Tweet: „Wenn Sie es wirklich für notwenig erachten mich ins Gefängnis zu werfen, wenn ich darüber spreche was mir passiert ist, anstatt die Jungs einzusperren für das was sie mir angetan haben, dann verstehe ich die Rechtssprechung nicht mehr“.

Zahlreiche Unterstützer bemängelten die Tatsache, dass die Angeklagten als Minderjährige und nicht als voll zurechnungsfähige Erwachsene eingestuft wurden, denn dann sehe das alles ganz anders aus. Die beiden Täter wären als straffällige Sexualverbrecher aufgenommen und in  Zukunft in einem Register für Vergewaltiger geführt worden. D. h. Jeder in deren Nachbarschaft hätte gewusst, dass in ihrer unmittelbaren Umgebung eine potenzielle Gefahr droht.

Unterstützungserklärung der Internetgemeinde

Nachdem Savannah mitbekam, dass die „Unschuldsknaben“ einen Deal abgeschlossen hatten und sich für sexuelle Belästigung und Voyeurismus schuldig bekannten, war es für die Juristen der Beschuldigten schon zu spät – sie haben die Macht des Internets unterschätzt. Denn durch eine Petition, die bis zum jetzigen Zeitpunkt über 122.400 Unterstützungserklärungen gesammelt hat, waren die Verteidiger der Täter dazu veranlasst die Anklage gegen Savannah Dietrich fallen zu lassen. Offiziell klingt die Aussage der Winkeladvokaten ganz anders, da diese Entscheidung naturgemäß nichts mit dem unerwarteten Aufschrei für Gerechtigkeit und der oft zitierten Meinungsfreiheit in Amerika zu tun hat. Die junge Savannah Dietrich wird inzwischen auch nicht mehr von einem Pflichtverteidiger vertreten, sondern von Thomas E. Clay, einem Anwalt der pro bono die Vertretung der jungen Frau übernimmt.

Das schützt aber auch nicht vor sogenannten „Trolls“, die das Web unsicher machen. Die weitverbreitete Meinung lautet: Frauen, die sich aufreizend anziehen und betrinken sind für alles was danach passiert selbst verantwortlich. Wir werden sehen ob der Prozess kafkaeske Züge an sich nimmt, oder ob durch den Mut der jungen Dame ein Umdenken in der Wertegesellschaft entsteht. Das Urteil wird für Ende August erwartet.

Foto: (c) Twitter, normalerweise sollen Opfer von Gewaltverbrechen auf Bildern unkenntlich gemacht werden bzw. nicht erkennbar sein, aber Dietrichs Eltern sprechen sich klar für eine Veröffentlichung des Falles aus.