17. Mai, 2010 | peter.eckardt


Auf das Online-Jugendmagazin CHiLLi.cc folgt mokant.at. Mit neuem Namen, neuem Webauftritt, neuem Slogan, aber weiterhin unabhängig und kritisch präsentiert sich das Medium. Michaela Wein folgt János Fehérváry als Herausgeberin und teilt sich mit Stefan Hohenwarter die Chefredaktion. Nach einem strapazierenden Umstieg geht es jetzt vor allem darum, das neue Team und das Magazin zu stärken.

Medienjournal: Was genau unterscheidet mokant.at von seinem Vorgänger CHiLLi.cc und wofür genau steht der neue Name?

Wein: Der neue Name wurde heiß diskutiert. Der Slogan von CHiLLi.cc war „jung, scharf, unabhängig“ und wir wollten das Scharfe und das Kritische beibehalten. Das Wort „mokant“ heißt ja bissig, spöttisch. Das fanden wir passend, da es anders ist als CHiLLi.cc, aber doch daran erinnert. Inhaltlich wurde mokant.at um ein Musikressort erweitert und im Unterschied zu CHiLLi.cc ist die neue Webseite im Layout etwas moderner und kann technisch einfach mehr. Die Zielgruppe bleibt jedoch dieselbe.

Hohenwarter:
Wir sind zwar ein sehr junges Medium, aber zusätzlich übernehmen wir ja den kompletten Content von CHiLLi.cc, der in nächster Zeit auf mokant.at gespielt wird.

Medienjournal: Seht ihr mokant.at eher als kompletten Neuanfang oder als „Lernen“ aus dem Vorgängermagazin?

Wein: Wir hätten CHiLLi.cc ja weiter gemacht, nur die Marke war bei der Presse und die gab sie nicht mehr her. Deshalb mussten wir etwas Neues machen, wollten aber unbedingt den Content beibehalten. Der Verein CHiLLi besteht weiterhin und mit der Übernahme des Vereins waren unsere Inhalte gesichert.

Medienjournal: Warum ist die Zusammenarbeit mit „Die Presse“ ausgelaufen?

Wein: „Die Presse“ hat sich dazu entschlossen, die Kooperation zu beenden. Als János Fehérváry, der ehemalige Herausgeber und Chefredakteur von CHiLLi.cc, aufhörte, ging eine Ära zu Ende und wir mussten mit einem neuen Team bei Null anfangen. Wir wollten eben zeigen, dass sich da etwas mehr getan hat und nicht nur ein paar Leute gewechselt haben.

Hohenwarter:
Selbst wenn wir CHiLLi.cc weitergeführt hätten, hätten wir einen Neustart veranlasst, um den Umbruch sichtbar zu machen. Diese Entscheidung gab es bereits, bevor die Idee von mokant.at entstand.

Medienjournal: Wie sieht der Arbeitsalltag in der Redaktion aus? Gibt es da einen fixen Standort und wie viele Leute arbeiten derzeit bei mokant.at mit?

Wein: Wir haben jeweils in Wien und Innsbruck eine Redaktion und derzeit arbeiten ungefähr 35 Leute mit. Die Ost-Redaktion leite ich und die West-Redaktion leitet Stefan Hohenwarter gemeinsam mit Julia Staller. Jede Woche gibt es in den zwei Redaktionen eine Redaktionssitzung, da werden Themen besprochen, Blattkritik gemacht, Allfälliges besprochen. Die Kommunikation zwischen Innsbruck und Wien erfolgt über E-Mail oder Telefon.

Medienjournal: Gibt es einen Unterschied zwischen der Ost- und West-Redaktion?


Hohenwarter:
Nicht wirklich. In Innsbruck werden aber zwangsläufig Themen gemacht, die aus Innsbruck auch gemacht werden können – ein Interview mit einem Spitzen-Bundespolitiker ist natürlich leichter in Wien zu haben. Da alle Mitarbeiter ehrenamtlich tätig sind, kann man keinem ein Thema aufzwingen, das ihn nicht interessiert. Wenn Themen auftauchen, die von Innsbruck nicht zu bearbeiten sind, dann geht der Themenvorschlag an die Ost-Redaktion weiter und umgekehrt.

Medienjournal: Welche Ansätze gibt es, um neue Leser zu gewinnen und welche Möglichkeiten – Stichwort Social Media Marketing – nutzt ihr bereits?


Hohenwarter:
Zielgruppe sind 16- bis 30-Jährige und wir wollen jetzt auch verstärkt Schüler ansprechen. Bei CHiLLi.cc gab es bereits einen Facebook-Auftritt, den gibt es jetzt auch bei mokant.at. Twitter wird leider noch zu wenig von uns genutzt. Die Kommunikation mit dem User ist jedoch vereinfacht worden. Es genügt zum Beispiel ein Facebook- oder Twitter-Account, um bei uns einen Kommentar zu posten.

Medienjournal: Wie viele Leser greifen seit dem Neustart auf mokant.at zu?


Hohenwarter:
Im ersten Monat waren es knapp 25.000 Unique Clients. Das ist ungefähr der Stand, den CHiLLi.cc am Ende hatte. CHiLLi.cc war in guten Zeiten besser, aber da kommen wir auch wieder hin.

Medienjournal: Wie finanziert sich mokant.at?


Wein:
Wir finanzieren uns momentan durch Spenden der Mitglieder und es wird auch geringe Mitgliedsbeiträge geben, um die anfallenden Kosten für Server und Domain oder Marke zu decken.

Medienjournal: Wie schafft man am besten den Spagat zwischen unabhängigem Qualitätsjournalismus und werberelevantem Onlinemagazin?


Hohenwarter:
Praktisch jedes Medium ist von irgendwelchen Geldgebern abhängig. Das ist aber bei großen Medien auch nicht fundamental anders. Wenn zum Beispiel ein Pressesprecher nach einem Interview anruft und Änderungen verlangt, dann musst du eben standhaft bleiben, auch auf die – natürlich vorerst theoretische – Gefahr hin, dass derjenige Einfluss hat und deine Werbeeinnahmen darunter leiden.
Es ist immer eine Fallentscheidung und hängt davon ab, wie wichtig der Kontakt ist. Prinzipiell darf der Kontakt aber nicht so wichtig sein, dass man großartig etwas an Artikeln ändert oder gar Werbung als objektiven Inhalt verkauft.

Medienjournal: Was habt ihr für die Zukunft bei mokant.at geplant?


Wein:
Jetzt geht es einmal darum, das Magazin zu stärken und auch von der Anzahl der Artikel auf ein gewisses Niveau zu kommen, wie es bei CHiLLi.cc war.
Wenn das läuft, gibt es auch andere Pläne, zum Beispiel Events organisieren.

Medienjournal: Was erwartet ihr euch vom Österreichischen Medienverband?

Wein: Auf jeden Fall eine gute Vernetzung unter den Freien Medien. Auch der Zusammenschluss zwischen den Freien Medien ist wichtig und ein gemeinsames Auftreten, das durch den Medienverband besser realisiert werden kann. Es hat auch eine andere Gewichtung, wenn sich eine Interessensvertretung für Anliegen, wie Presseförderung für Onlinemedien, einsetzt, als ein einzelnes Medium.

Hohenwarter:
Wir sind dem Medienverband jedenfalls dankbar für seine Lobbying-Arbeit und finden gut, dass es jetzt jemanden gibt, der uns den Rücken stärkt, falls es wirklich Probleme geben sollte.

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Foto by Peter Unterthurner