Im Zuge der Digitalisierung der Kinos stellt sich vor allem für viele kleinere Kinos die Frage, ob sich diese Investitionen lohnen und mit welchen Strategien man am besten viele Leute ins Lichtspielhaus locken kann.In der Kruppstadt Berndorf geht man einen anderen Weg und versucht die Leute mit viel Abwechslung, Freundlichkeit und einem interessanten Mix aus Filmgenuss und Erlebnisgastronomie an das Kino zu binden.
Ziel dieser Bemühungen ist, genug Geld aufzutreiben, um die Kosten für die Umrüstung auf digitale Projektion abzudecken, aber trotzdem den Charme eines kleinen Stadtkinos aufrechtzuerhalten.
Das Medienjournal sprach dazu mit den Kinobetreibern Thomas Wurzer und Mathias Walter.

Medienjournal: Wie seid ihr auf die Idee gekommen Kinobetreiber zu werden?

Wurzer: Wir hatten vorher eine Videothek im Norden Wiens, aber ich wollte immer schon ein richtiges Kino haben. Ich habe auch in verschiedenen Städten probiert, dieses Projekt durchzusetzen, aber leider immer ohne Erfolg.
Bei der Suche nach einem Projektor für ein Open Air Kino, ergab sich plötzlich die Chance das Kino hier zu übernehmen. Da hab ich dann, ohne es mir vorher anzusehen, gleich zugeschlagen.
Mittlerweile kommen sogar Leute aus Wien in unser kleines, bescheidenes Kino und natürlich aus den umliegenden Gemeinden.

Medienjournal: Was unterscheidet euch von anderen Kinos?

Wurzer: Das familienfreundliche und hundefreundliche Klima, die aufwendige Dekoration in den Kinosälen und die Tischerl, auf denen man essen kann. Mittlerweile kann man von Pizza bis Popcorn, Cocktails in allen Variationen und Süßigkeiten bestellen, die dann persönlich serviert werden.
Am meisten schätzen die Leute, dass es nicht so steril ist wie in den Multiplexen und das Retrofeeling, da man sich wie in der guten alten Zeit fühlt, wo fast in jedem Ort noch ein Lichtspielhaus war.

Medienjournal: Gibt es einen eigenen Interessensverband für Kinobetreiber und fühlt ihr euch durch diesen gut vertreten?

Walter: Es hat einen gegeben, aber das hat sich jetzt durch die Wirtschaftskammerreform geändert und Kinos sind jetzt unter den Vergnügungsbetrieben eingegliedert. Zu diesen zählen aber auch Schausteller, Schwimmbäder und Ähnliches und daher sind in den einzelnen Bundesländern jetzt auch noch Kinoverbände auf Vereinsbasis gegründet worden, um sicherzustellen, dass diese Zahlungen auch bei den Kinos ankommen.
Durch diese Eingliederung sind viele neue Schwierigkeiten entstanden, da es jetzt mit speziellen Förderungen für Kinos noch schwieriger geworden ist und im Grunde fühle ich mich durch die Wirtschaftskammer nicht wirklich gut vertreten.

Medienjournal: Welche Herausforderungen kommen mit der Digitalisierung der Kinos auf euch zu?

Walter: Die einzige Herausforderung ist eigentlich nur die Finanzierung, ansonsten ist es eher eine Erleichterung, da viele Arbeitsschritte die sonst bei analogen Kopien anfallen jetzt keine Rolle mehr spielen.

Medienjournal: Wie hoch wären die Kosten für die Umrüstung der Säle?

Walter: Grob geschätzt muss man ca. 50.000 € pro Saal rechnen, aber ohne 3D Umrüstung. 3D ist im Verhältnis dazu etwas günstiger.
Es gibt ein System aus Italien, bei der die Firma die 3D Hardware zur Verfügung stellt.
Die Brillen muss man kaufen und man zahlt pro Besucher eine Leihmiete für die Brille. D.h. du zahlst pro Besucher der den 3D Film besucht. Das 3D wäre gar nicht das Problem, nur ohne digital gibt es eben kein 3D.

Medienjournal: Gibt es irgendwelche Förderungen um den Umstieg von analog zu digital zu erleichtern?

Walter: Derzeit gibt es keine. Es ist zwar viel darüber geredet worden aber nie etwas zu Stande gekommen. Bis jetzt wissen wir nicht, ob es irgendetwas in die Richtung geben wird, weder von Wirtschaftskammer noch von anderen öffentlichen Stellen. Die Förderung als Programmkino geht bei uns hier auch nicht, da der Prozentsatz an Arthouse-Filmen zu gering ist und sich hier im ländlichen Raum eben nur Mainstreamfilme gut verkaufen und wir als reines Programmkino keine Überlebenschance hätten.

Medienjournal: Seid ihr auch in den neuen Medien vertreten wie z.B. Facebook oder Twitter?

Wurzer: Würde ich gerne, aber leider haben wir dafür zu wenig Zeit. Unser Internetauftritt müsste auch komplett neu überarbeitet werden und seit neuestem gibt es auch eine Seite auf Facebook, mit der ich aber nicht zufrieden bin, da man bei der Gestaltung der Seite sehr limitiert ist.
Aber wir sind durch andere Kunden auf Facebook präsent, die z.B. für die Goldie unseren Kinohund eine Seite eröffnet haben. Sie ist damit der berühmteste Mops von Niederösterreich.

Medienjournal: Welche Projekte gibt es derzeit oder sind in Zukunft geplant?

Wurzer: Im Herbst wird es wieder regelmäßig, das sogenannte Filmfrühstück geben. Voraussichtlich immer sonntags zwei mal im Monat. Da kann man dann vor der Vorstellung noch gemütlich beim Buffet soviel essen und trinken wie man will und danach werden Filme gezeigt, die sonst im normalen Kinobetrieb keinen Platz finden. Angefangen bei alten Filmklassikern und natürlich Filme aus der Arthouse-Schiene.
Im November wird es wieder eine Travestieshow geben, die das letze Mal komplett ausverkauft war, sowie Jazzabende und Rockkonzerte von lokalen Bands, da uns die Jugendförderung sehr am Herzen liegt und Kleinkunstabende von verschiedenen Künstlern.
Bis zum Herbst kann man sich noch bei uns in der Strandbar treffen und ausgewählte Filme auf der Leinwand ansehen.In Kürze wird dann der dritte Saal eröffnet, der wie ein Dschungel aussieht und nur mit Sofas und Tischerl ausgestattet sein wird und nach der letzten Vorstellung kann man sich dann bei der Cocktailbar noch entspannen.

Der DVD-Verleih wird auch immer wieder erweitert. Wir haben jetzt bei uns im Kino einen DVD-Automaten, bei dem man sich rund um die Uhr Filme ausborgen kann und haben in Baden ebenfalls eine Filiale, die nonstop geöffnet ist.

Natürlich wollen wir das Kino noch lange weiterführen und hoffen mit diesen Projekten genug Geld zusammenzubekommen, um auf digital umzurüsten und somit eines der letzten kleinen Lichtspielhäuser in der Region am Leben zu erhalten.