Sensation in Österreichs Medienlandschaft! Das gleichnamige „Revolverblatt“ von Wolfgang Fellner wird mit einem offenen Brief des ÖFB-Teams konfrontiert, das sich gegen die skandalöse Berichterstattung rund um die Wiederbestellung von Teamchef Marcel Koller zur Wehr setzt.

Während sich das Schriftstück über die Sozialen Netzwerke rasch verbreitet – die Kollegen von 90minuten.at haben den Auslöser für den Aufschrei der heimischen Kicker zusammengefasst – und auf den Onlineportalen diverser Print-Medien auftaucht, ist auf orf.at oder anderen ORF-Programmen nur wenig davon zu sehen. Es gibt zwar einen Bericht, der aber nur durch gezielte Suche zu finden ist. Anscheinend ist diese einzigartige Aktion keine Schlagzeile in der Meldungsübersicht wert. Anders bei unseren deutschen Nachbarn. Dort gibt es auf welt.de und im Spiegel-Online ausführliche und prominent (!) platzierte Artikel zu diesem Thema.

Woran das liegt, ist leicht erklärt. Die Sportredakteure im Land der Berge pflegen ein gewisses Naheverhältnis zu Athleten, Vereinen und sogenannten Experten. (Letztere sind meist Ex-Nationalspieler). Damit sichern sich die Reporter Exklusivberichte und landen dadurch aber in der Abhängigkeit der oft zitierten „Haberer-Partie“. Alles kein Problem solange keine dunklen Wolken am Horizont auftauchen. Denn wer beißt schon gern die Hand, die ihn füttert?

Welche Auswüchse das annehmen kann, zeigen die Ereignisse vor zwei Jahren als der unbekannte Schweizer Marcel Koller dem Publikumsliebling Andreas Herzog und Wunschkandidaten von ORF-Chefanalytiker Herbert Prohaska vorgezogen wurde. Innerhalb kürzester Zeit hat der unabhängige Staatsfunk eine Diskussionsrunde organisiert, die am Spartensender Sport+ live ausgestrahlt wurde.

Einziges Ziel: den bösen Ausländer vorab zu diskreditieren und diesen bald durch einen echten Österreicher abzulösen. Die Highlights der Fremdschäm-Posse gibt’s auf youtube zu sehen. Darin beschwert sich der jetzige U-21-Trainer Werner Gregoritsch vor allem darüber, dass es in seiner geliebten Heimat doch viele arbeitslose Trainer gibt, die mindestens genauso gut sind wie der ungeliebte Eidgenosse. Auch die Kommentare von Ex-Stehgeiger Toni Polster oder Frenkie Schinkels schlagen in dieselbe Kerbe. Der einzige der sich positiv von der illustren Runde abhebt, ist der ehemalige Sturm Graz Spieler Roman Mählich, der auch heute noch mit seinen fachlich kompetenten Analysen als ORF-Experte überzeugt.

Zu guter letzt möchten wir uns noch für die klaren Worte des ÖFB-Teams bedanken und unterstützen die Aufforderung „Wir hoffen aber, damit bei den Medienkonsumentinnen und –konsumenten ein kritisches Hinterfragen der Artikel in der Tageszeitung „Österreich“ anzuregen“. Außerdem erwarten wir eine Stellungnahme vom ORF, warum dieser mediale Tabubruch bisher kaum Beachtung gefunden hat.