Verteidigung von ewig gestrigen Ideen konnte man dem Wochenblatt „Falter“ bisher nur auf Grund ihres Webauftritts nachsagen. Mit der Kür des salzburger ÖH-Vorsitzenden Simon Hofbauer (GRAS) zum Dolm der Woche haben sich die selbstbetitelten Aufdeckerjournalisten keinen großen Gefallen getan.

Anlass dafür war die fragwürdige Finanzierung von „Demo-Touristen zum Akademikerball der FPÖ“.
Österreichs edler „Twitter“ Armin Wolf brachte die ganze Sache mit seinen Tweets und Facebook-Postings ins Rollen. Da der „Falter“ sich immer noch vorwiegend als klassisches Printmedium verkauft, wäre die Dolm-Auszeichnung sonst nur bei den Stammlesern angekommen und hätte sich nicht wie ein Lauffeuer im Netz verbreitet. Den Studierendenvertretern glatten Missbrauch des ohnehin nicht umstrittenen ÖH-Beitrags vorzuwerfen, brachte viele Social-Media-User auf die Palme. Auf Facebook hagelte es Kritik und z. B. Dagmar B. brachte mit ihrem Kommentar die Stadtzeitung sei das sprachrohr der biederen dachterrassen gartenzwerge ihren Unmut sehr blumig zum Ausdruck. Werbetexter könnten es nicht besser formulieren. Was für ein Slogan! Kein Vergleich zur aktuellen Titelgeschichte Wasser unser – Brunzt uns Brüssel rein?

Der studierte und diffamierte Dolm setzt sich zur Wehr

Auf der GRAS-Homepage stellte Simon Hofbauer seine Sicht der Dinge klar. Die ÖH sei nicht nur ein Service-Verein, sondern vertrete auch eine politische Meinung. Ich bin nämlich immer noch der Überzeugung, dass es Teil unserer Verantwortung ist, auf das ewiggestrige Unwesen, dass [sic!] Burschenschaften an den österreichischen Universitäten treiben aufmerksam zu machen und deutsch-nationale, völkisch-rassistische Ideologien im akademischen Umfeld zu thematisieren! Außerdem bemängelte er die Quellen, die der „Falter“ für seine Recherche heranzog. Das Boulevardmedium „heute“ ist nicht gerade für Qualitätsjournalismus bekannt. Besonders verärgert war er auch darüber, dass der sonst kritische „Falter“ in FPÖ-Diktion textete.

Rückendeckung für seinen Arbeitgeber von einem pflichtbewussten Redakteur

Unter dem Titel Warum S. Hofbauer ein Dolm ist sprang Benedikt Narodoslawsky auf seinem Blog in die Presche und machte keinen Hehl daraus parteiisch zu sein. Lang und breit stellt er fest, dass eh alles richtig gemacht wurde und verteidigt die Reaktion auf das Gratismedium „heute“ mit Ja, wir Journalisten lesen auch Heute. Auch die Krone. Auch Österreich. Und nein, nicht alles, was da drinnensteht, ist falsch. Trotzdem bleibt ein übler Beigeschmack.

Viele seiner Argumente sind richtig. Die Frage, wofür öffentliche ÖH-Gelder verwendet werden dürfen, ist durchaus berechtigt. Allerdings schießt er kurz darauf mit einem unglücklichen Vergleich übers Ziel hinaus. Wenn die FPÖ-Vorfeldorganisation RFS bei der nächsten ÖH-Wahl zum Zug kommt, könnten sie auch Zugfahrten für Studenten zum Regenbogenball oder Lifeball bezahlen, um gegen Homosexualität zu demonstrieren. Narodoslawsky ist strikt dagegen, dass öffentliches Geld für ideologische, parteipolitische Spielchen herangezogen wird. Das ist zwar löblich. Allerdings deutsch-nationale Burschenschaften, die knapp am Verbotsgesetz vorbeischrammen mit gleichgeschlechtlichen Gemeinschaften in Bezug zu setzen, ist schon jenseitig. Erstere stehen mit einem Fuß im Kriminal, die andere Gruppe verstößt mit ihrem Verhalten höchstens gegen erzkonservative Moralvorstellungen.

Der Chefredakteur hat wie immer das letzte Wort

Auf zahlreichen Blogs und Internet-Seiten lieferten sich daraufhin ÖH-Unterstützer und Falter-Sympathisanten erneut einen verbalen Schlagabtausch. Der Boss der „Falter“-Journalisten Florian Klenk verbreitete den Blog-Eintrag mit dem Satz Zur Kritik der ÖH-Salzburg an unserem „Dolm der Woche“ hat Kollege Benedikt Narodoslawsky die richtigen Worte gefunden. Na wenn das so ist, dann sind wir ja beruhigt.

Anscheinend hält Klenk große Stücke auf seine Mitarbeiter. Das ist insofern verwunderlich, da er erst vor kurzem die mangelhafte Journalisten-Ausbildung in Österreich in einem Interview für das Branchenblatt „extradienst“ monierte. Es ging zur Abwechslung nicht nur um die viel gescholtenen Publizistik-Studenten, sondern auch um FH-Absolventen. Laut Klenk braucht die Medienlandschaft keine biederen Content-Manager. Die kriegt man am kollektivvertragslosen Arbeitsstrich billiger, ist Martin Blumenaus süffisanter Nachsatz. Der Berufsjugendliche von „FM4“ hat Klenks Schelte der Schreiberlinge und das Loblied auf Quereinsteiger und Experten ganz gut zusammengefasst.

Das Medienjournal lädt gerne zum Mitdenken ein

Für diese herbeigewünschten Auskenner und Fachkräfte gibt es in Österreich keine Möglichkeit in einem Qualitätsmedium Fuß zu fassen. Aber auch die meisten, die das Schreiben von der Pike auf an Hochschulen lernen, ergeht es nicht besser. Viele verdingen sich in PR-Abteilungen von Firmen, oder hanteln sich von Praktikum zu Praktikum. Der Traum vom investigativen Reporter beim „Falter“ zerplatzt und der Idealismus weicht Existenzängsten. „Will ich weiter in prekären Dienstverhälnissen verweilen, oder einen richtigen Job machen?“, ist DIE Grundsatzfrage heutiger Akademiker – egal ob Bachelor oder Master!

 

Fotocredit: Flickr, © Martin Juen